Lobbyisten aller Länder, vereinigt euch!

Und zwar beim Bundesparteitag der FDP, der dieses Wochenende stattfand:

Es ist schon echt putzig, wer da so herumläuft:

Neben den vier großen Stromversorgern E.on, RWE, Vattenfall und EnBW, dem Lobbyverband Atomforum und dem Energiewirtschaftsverband BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft) ließen sich auch der Erdgasverband, zwei Tabakunternehmen (British American Tobacco[1] und Philip Morris), BP, die Telekom und Telefonica (ihr spanisches Pendant), der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS, das Pharmaunternehmen Pfizer[2], BMW, Audi und der Autoverleiher Sixt, der RTL-Sender n-tv, natürlich die Bertelsmann Stiftung, die Gesellschaft der Versicherer und der Verband der privaten Krankenversicherer, die Apotheken, der Tankstellenbetreiber Tank&Rast, Air Berlin und – aufpassen, ToBeFree! – der Monopolist Microsoft[3] zu einer milden Gabe hinreißen.

 

Na denn – viel Spaß, liebe FDP. Aber glaubt nicht, dass euch jetzt jemand wählt, nur weil ihr den ehemaligen Pharmalobby- und jetzigen Propagandaminister für Ultra-Krass-XXXL-Aufschwung und Wirtschaftsboom Phil Rösler zu eurem Chef gemacht habt…

 

[1] Wikipedia: „Nach Recherchen des Spiegels lässt Philip Morris International Inc. in Kasachstan Tabak anbauen, der teilweise auch von Minderjährigen geerntet wird. Dies verstoße gegen die Kinderrechtskonvention und kasachische Gesetze. Ebenfalls wird auf die schlechten Arbeitsbedingungen in Kasachstan hingewiesen. So würden die Plantagenarbeiter keine Schutzkleidung tragen, obwohl die Arbeit gesundheitsschädlich sei.“

So sehen wohl Menschenrechte nach Geschmack der FDP aus?

[2] Man beachte den Wikipedia-Abschnitt über die Verfahren gegen Pfizer.

[3] Theoretisch ist die FDP ja für freien Wettbewerb. Aber bitte nicht, wenn es ihre geliebten Lobbyistenfreunde trifft.

[yury: ] Wie blöd muss man eigentlich sein, um so einen haarsträubenden Unsinn zu verbreiten?

Dieser Beitrag wurde von yury geschrieben, bevor das Blog neu installiert wurde.

Laut Spiegel Online fordert ein – anscheinend relativ unbekannter, zumindest ist bei Google nur ein einziger Eintrag über ihn zu finden – Geoforscher vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) namens Frank Schilling ein Endlager auf Zeit. „Wir brauchen ein Kurzzeit-Endlager, und zwar schnell“, sagte Schilling Spiegel Online.
Was bitte soll ein Kurzzeit-Endlager sein?! Der Begriff ist schlicht und einfach ein Widerspruch in sich – ENDlager heißt nach den Gesetzen der Logik, dass das Zeug da bleibt und nicht nach 500 Jahren wieder herausgeholt werden muss. Dass 500 Jahre in diesem Maßstab eine „kurze Zeit“ sind, zeigt im Übrigen, was wir (als Gesellschaft) uns mit diesem Müll angetan haben. In der Asse hat es nicht einmal funktioniert, die radioaktiven Abfälle auch nur 50 Jahre lang sicher zu lagern, da werden wir 500 Jahre für ein „Endlager light“ oder 10 Millionen Jahre für ein richtiges Endlager ja locker im Handumdrehen stemmen.
Gerade CDU/CSU/FDP-Politiker begründen ja den „Schuldenabbau“ (d.h. Sozialabbau zum angeblichen Zweck der nicht funktionierenden NEUverschuldungsreduktion) oder die Rente mit 67 gerne mit der „Generationengerechtigkeit“, nach dem Motto, „wir“ (= die ärmere Hälfte der Bevölkerung) müssen uns jetzt in Askese üben und „den Gürtel enger schnallen“, damit für die Vermögenden nächsten Generationen noch etwas übrig bleibt.
Es ist also offenbar auch „Generationengerechtigkeit“, wenn die jetzige Generation bis 2037 (also ungefähr die Zeitspanne, die die heutigen Politiker noch zu leben haben) Atomstrom bezieht und das Problem der sicheren Endlagerung für die folgenden Generationen übrigbleibt. Die sollen ja schließlich auch noch etwas zu tun haben – nicht, dass denen die Arbeit ausgeht.
Danke, Frau Merkel; danke, Herr Westerwelle.

wie-blod-muss-man-eigentlich-sein-um-so-einen-haarstraubenden-unsinn-zu-verbreiten